Conrad Richter: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Söhnewiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
(Eine dazwischenliegende Version desselben Benutzers wird nicht angezeigt)
Zeile 163: Zeile 163:
Jetzt befindet sich an der Stelle eine Freifläche/Parkplatz (Abbildung 6).  
Jetzt befindet sich an der Stelle eine Freifläche/Parkplatz (Abbildung 6).  


[[Image:06 Luftaufnahme.jpg|400px|06 Luftaufnahme.jpg]]  
[[Image:06 Luftaufnahme.jpg|1000px|06 Luftaufnahme.jpg]]  


Abbildung 6: Luftaufnahme der Korbacher Altstadt. Das Kreuz markiert die Lage der Freifläche, wo das Haus Entengasse 14 gestanden hat (nur auf Papierausdruck 😊 ).  
Abbildung 6: Luftaufnahme der Korbacher Altstadt. Das Kreuz markiert die Lage der Freifläche, wo das Haus Entengasse 14 gestanden hat (nur auf Papierausdruck 😊 ).  


<br>  
<br>


== Tod  ==
== Tod  ==

Aktuelle Version vom 10. Juli 2022, 19:51 Uhr

Verfasser: Dr. rer. nat. Wolfgang Richter


Einführung


Conrad Richter ist der älteste bekannte Vorfahre unter den Namensträgern Richter unserer Familie. Innerhalb der Familie ist nichts über ihn überliefert. Daher beruhen unsere Kenntnisse über ihn auf öffentlich zugänglichen Quellen (siehe Quellenverzeichnis). Die meisten Informationen finden sich in den „Häuserbüchern“ der Stadt Korbach (Thomas 1960) sowie im Nachlass von Helmut Richter (Kopien von Akten aus dem Stadtarchiv Korbach sowie Personenlisten, die er vermutlich vom Korbacher Familienforscher Hermann Thomas erhalten hat).


Herkunft


Conrad Richter wurde 1689 in Kaufungen geboren (Thomas 1960). Es ist unklar, ob er aus Nieder- oder Oberkaufungen stammt. Er muss schon in jungen Jahren nach Korbach übergesiedelt sein, denn im Jahr 1711, d.h. im Alter von 22 Jahren, erhielt er das Bürgerrecht in Korbach. Über die Motive seiner Übersiedlung ist nichts bekannt. Aber in Korbach wurden in dieser Zeit Maurer gebraucht. 1684 wurden bei einem großen Stadtbrand 274 Häuser und Scheunen vernichtet (Paul 1936, Seite 24). Hausstätten von diesem Brand blieben lange unbebaut. Paul schreibt: „Tatsächlich hat um die Zeit nach 1700 auch eine starke Bautätigkeit eingesetzt, sodaß ein Mangel an Facharbeitern, insbesondere an Maurern entstand. Es erfolgte sogar ein Zuzug von Maurern aus Tirol, u.a. Cyprian, Wilke, Herbst“ (Paul 1936, Seite 25).


Über seine Vorfahren in Kaufungen ist nichts bekannt. 1577 wird in Oberkaufungen ein Papiermüller Jost Richter genannt (Wroz 1985). Im Kirchenbuch der Brüderkirche Kassel sind zwei Hochzeiten von Jost Richter, Papierer zu Kaufungen, erwähnt: 23.10.1570 mit Gedrutt Holtz (vermutlich bald darauf verstorben) und am 23.04.1572 mit Catharein Cuntz (Kuschel 2013). Im Kirchenbuch von Oberkaufungen findet sich am 08.04.1575 der Eintrag „Jost Richters Knablein getauft“. Es bedürfte weiterer Ahnenforschung, um herauszufinden ob Conrad Richter Nachkomme von Jost Richter ist.


Was ist über sein Leben bekannt?


Am 02.11.1711 heiratete Conrad Richter Walpurgis Pott geborene Meyer (*1672), die Witwe des Johannes Pott, der in einer waldeckschen Compagnie gedient hat. Das Ehepaar hatte 5 Kinder, von denen 4 früh gestorben sind (Aufstellung im Nachlass von Helmut Richter):


• Georg Wilhelm (getauft 12.06.1712, gestorben 01.09.1712)

• Johannes Richter (geboren 04.09.1713, gestorben 09.05.1768, unser Vorfahr)

• Maximilian Leonard (getauft 05.04.1716, gestorben 18.01.1717)

• Maria Elisabeth (getauft 28.07.1718, gestorben 15.05.1719)

• Maria Catharina (getauft 27.10.1720, gestorben 16.05.1724).


Überlieferte Arbeiten

Conrad Richter war Maurermeister. Welche seiner Arbeiten sind überliefert? 1727 reparierte und erneuerte er Strebepfeiler und Fialen des Chores der Kilianskirche (Medding 1955, Seite 240) für einen Betrag von 207 Talern (Curtze und Rheins, 1843, Seite 180). 1733-1734 führte er Reparaturen an den Gewölben der Kilianskirche durch (Medding 1955, Seite 240).

01 Fialen Kilianskirche.jpg
01 Fialen Kilianskirche.jpg












Abbildung 1: Detailansicht von Fialen und Wasserspeiern am Chor der Kilianskirche


02 Kilianskirche.jpg
02 Kilianskirche.jpg
























Abbildung 2: Kilianskirche in Korbach: Blick von Osten, vorne der Chor mit Fialen


Die zweite gotische Kirche in Korbach, die Nikolaikirche, hatte ursprünglich ebenso wie die Kilianskirche einen Turmumgang. Dieser wurde 1725 von Meister Conrad Richter wegen Baufälligkeit abgenommen (Bleibaum 1939, Seite 120).


03 Blick über Korbach.jpg


Abbildung 3: Blick über Korbach: Im Vordergrund der Turm der Nikolaikirche


Conrad Richter und die Maurerzunft in Korbach

Ab 1724 bzw. 1726 gab es eine Zunft der Bauhandwerker in Korbach. Am 16.Oktober 1724 wurde der Zunftbrief für die Steinhauer, Maurer, Zimmerleute und Dachdecker ausgestellt (Paul 1936, Seite 25). Die Bekanntgabe der Gründung erfolgte durch Verordnung der Fürstlichen Regierung vom 11.03.1726. Conrad Richters Namen taucht in verschiedenen Schriftwechseln im Zusammenhang mit der Maurerzunft auf, so in einem Schreiben der Fürstlichen Regierung von 1737 an den Magistrat der Stadt Korbach, welches den Maurermeistern Georg Gernant, Conrad Richter, Joseph Blent, Johannes Cuprian und Georg Stremme zuzustellen war (Paul 1936, Seite 26).

Im Jahr 1746 sandte die Stadtverwaltung Korbach eine Beschwerdeschrift an die Fürstliche Regierung, die Maurerzunft würde Arbeit durch ortsfremde Maurer verhindern. Daraufhin verordnete die Fürstliche Regierung 1746, daß „mithin der Stadt Korbach und dasiger Bürgerschaft freygestellt, zu der Maur-Arbeit auch frembde Maurer zu nehmen, …“. Die Verordnung im Stadtarchiv Korbach trägt den Vermerk: „Das Original hiervon ist dem Kunrat Richter richtig insinucirt, Solches bescheinige / Corbach, den 14. März 1747. / Christoph Schoper.“ Zur dieser Zeit war Conrad Richter Dechant (d.h. Vorsteher) der Maurerzunft in Korbach (Kopie einer Pfennigmeisterrechnung von 1747 aus dem Stadtarchiv Korbach im Nachlass von Helmut Richter).

Im Nachlass von Helmut Richter waren Kopien von Verträgen über Arbeiten von Conrad Richter, vermutlich von Originalen im Stadtarchiv Korbach. In Abbildung 4 finden sich die Unterschriften unter einem Vertrag von 1725 einschliesslich der von Conrad Richter (Titel des Vertrages: Accord mit Conrad Richter und Joseph Blent wegen Aufmauerung des Berndorfer Thors).

04 Unterschrift Conrad Richter.png

Abbildung 4: Unterschriften unter einem Vertrag über Maurerarbeiten von 1725, darunter die Unterschrift von Conrad Richter (Original des Vertrages vermutlich im Stadtarchiv Korbach)


Sein Wohnhaus in Korbach


Conrad Richter wohnte mit Familie in einem Fachwerkhaus in der Entengasse (Entengasse 14). Gemäß Brandkassenregister hatte das Haus eine Grundfläche von 6,9 x 6,6 m (Thomas 1960). Das Haus blieb mehrere Generationen in der Familie bis zum Jahr 1897.Die letzten direkten Vorfahren im Haus waren Adam Heinrich Richter (1743-1802) und seine Frau Maria Christiane (1743-1823). 1803 wurde das Haus von Johann Conrad Richter (1770-1846) übernommen, während der jüngste Sohn und unser Vorfahre, der Pförtner und Maurer Heinrich Christian Wilhelm Richter, in der Wohnung auf dem Dalwigker Tor wohnte. Vom Haus konnte bisher nur ein Foto gefunden werden, das während des Abbruchs 2008 aufgenommen wurde (Abbildung 5).

05 Haus Entengasse.jpg

Abbildung 5: Das Haus Entengasse 14 während des Abbruchs im Jahr 2008 (das Dach fehlt bereits). Beim Haus der Vorfahren handelt es sich um das zweigeschossige Fachwerkhaus am linken Bildrand. Die Gebäudeteile im Vordergrund mit massivem Mauerwerk im Erdgeschoß sind wohl neuere Anbauten.


Jetzt befindet sich an der Stelle eine Freifläche/Parkplatz (Abbildung 6).

06 Luftaufnahme.jpg

Abbildung 6: Luftaufnahme der Korbacher Altstadt. Das Kreuz markiert die Lage der Freifläche, wo das Haus Entengasse 14 gestanden hat (nur auf Papierausdruck 😊 ).


Tod


Conrad Richter starb am 18. März 1748 im Alter von 58 Jahren. Seine 17 Jahre ältere Frau Walpurgis starb bereits am 13. September 1742 im Alter von 70 Jahren.


Quellen


Bleibaum 1939

Friedrich Bleibaum (Hrsg.), Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel – Kreis des Eisenberges, Bärenreiter Verlag Kassel, 1939


Curtze und Rheins 1843

L. Curtze und F. v. Rheins, Geschichte und Beschreibung der Kirche St. Kilian zu Corbach, 1843 (https://books.google.de/books?id=OVsAAAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false)


Kuschel 2013

Martin Kuschel, Die Anfänge der Papiermühle im Ihnetal bei Attendorn. In: Attendorn Gestern und Heute – Mitteilungsblatt des Vereins für Orts- und Heimatkunde Attendorn e.V., Nr. 35, 2013.


Medding 1955

Wolfgang Medding, Korbach – Die Geschichte einer deutschen Stadt, Stadt Korbach, 1955


Paul 1936

Christian Paul, Geschichte der Bauhandwerkszünfte und Innungen in Waldeck, Buchdruckerei Wilhelm Bing, Korbach, 1936.


Thomas 1960

Hermann Thomas, Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 7 (Dalwigker Straße, Am Butterturm, Grabenstraße, Entengasse, Tränkestraße), Stadtarchiv Korbach, 1960.


Wroz 1985

Winfried Wroz, Papier aus dem Lossetal – Die Papiermühle (Ober-)Kaufungen. In: 975 Jahre Kaufungen 1011 – 1986, Gemeindevorstand der Gemeinde Kaufungen 1