Helmut Söhne: Unterschied zwischen den Versionen
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Um die Schritte des Lebens von Helmut Söhne gemeinsam noch einmal abzugehen, um noch einmal nachzuempfinden was wir alle mit dem Verstorbenen erlebt haben, um ihn in all seinem Tun angemessen wahrzunehmen und zu würdigend, dazu bräuchte es mehr als nur eine relativ kurze Trauerfeier. Und doch werde ich gemeinsam mit Euch und mit Ihnen allen, die Sie hier in die Kilianskirche gekommen sind, genau das versuchen. Es gibt keinen besseren Ort, gemeinsam von Ihm Abschied zu nehmen, als hier. Er ist unter dem Kilian im Katthagen aufgewachsen, er hat hier, abgesehen von der Zeit des Studiums und der Bundeswehr, sein ganzes Leben gelebt. Die Glocken des Kilian haben seinem Leben Struktur gegeben, sie verbinden sich mit einschneidenden Ereignissen in seinem Leben. Helmut Söhne hat Spuren in dieser Kirche hinterlassen, so zum Beispiel mit dem wunderbaren Weinstock-Kerzenständer, für dessen Herstellung er den Schmied angeworben und bei dessen Gestaltung er ganz wesentlich mitgewirkt hat. | |||
Helmut Söhne wurde am 27. Januar 1953 als jüngstes Kind vonKarl und Hermine Söhne geboren und am 22. März im Kilian getauft. Gemeinsam mit Ihnen, der älteren Schwester, und dem älteren Bruder Karl-Heinz ist er aufgewachsen. Das Lebend er Familie Söhne war geprägt von der Landwirtschauft und dem Kohlenhandel. Helmut war früh mit hineingenommen in die die tägliche Arbeit in der Familie, das wurde umso mehr so, nachdem der Bruder Karl-Heinz unweit der Feldscheune tödlich verunglückte. Dieser Tod hat das Leben der ganzen Familie beeinflusst und geprägt. Schon im Alter von 13 Jahren wurde er am 15. Mai 1966 von Pfarrer Bloechle konfirmiert. ,,Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht". Dieses Wort aus dem Prophetenbuch Jesaja, Kapitel 12, Vers 2, war sein Konfirmationsspruch. Ja, Helmut war unerschrocken, er hat eine große Sicherheit ausgestrahlt. Er wusste, was er wollte, ist seinen Weg gegangen, auch dann, wenn der nicht gerade leicht war. Ein großes Gottvertrauen hat ihn ausgezeichnet. Glaube und Kirche waren ihm wichtig. Er hatte es nicht immer leicht mit seiner Kirche, seine Kirche hat es ihm auch nicht immer leicht gemacht. Er hat unkonventionelle Wege gesucht und gefunden, er hat oft vermittelt zwischen den Agnostikern und Atheisten auf der einen und den Kirchenleuten auf der anderen Seite. | |||
Als er 15 Jahre alt war, brannte die Scheune im Feld ab. Beim Neuaufbau planten sein Vater und er einen Hobbyraum. Das war der Beginn von ,,Söhnen Scheune", einem Kult-Ort, der in aller Munde war und durch den Generationen von jungen Menschen in Korbach gelaufen sind. Unvergessen und legendär sind die Rockfeste, die hier- von Helmut organisiert - in den 70er und 80erJahren stattfanden. Helmut hat für junge Menschen einen Ort der Begegnung geschaffen, einen Ort, an dem gefeiert werden konnte, einen Ort, an dem die Musik eine große Rolle einnahm, einen Ort, an dem junge Menschen wenig dabei gestört wurden, zu sein und zu feiern, wie es ihren Vorstellungen entsprach. | |||
Helmut war nach seinem Abitur zwei Jahre bei der Bundeswehr, bei den Sanitätern. Mit seiner Ausbildung, die er hier erworben hat, konnte er später im Krankenhaus in Korbach arbeiten, damit auch seinen Lebensunterhalt während des Studiums absichern. Er hat erfolgreich Landwirtschaft in Gießen studiert, unter anderem Praktika in den USA absolviert, ein Land, das ihn fasziniert hat. Es gehört zu den Besonderheiten im Leben von Helmut, das er nach dem erfolgreichen Studium in Korbach geblieben ist, die elterliche Landwirtschaft übernommen und auf seine Weise fortgeführt hat - und ebenso den Kohlenhandel. Dabei spielte sicher die Sorge um die Eltern eine große Rolle. | |||
Er hat aus seiner Selbständigkeit viel an Lebenssinn gewonnen, er liebte die Freiheit und die Unabhängigkeit, war kein Mensch für eine Tätigkeit in der Verwaltung oder in der Industrie. Diese Entscheidung hat ihn auch Opfer gekostet, Es war eine immerwährende Herausforderung, die Existenz wirtschaftlich abzusichern - und auch die kritischen Stimmen und Blicke auszuhalten. Das galt auch für seinen Kohlenhandel, der über die Jahre immer weniger wurde. Er hatte ein Herz für seine älter werdenden Kunden, die er mit Kohlen und auch mit Holz beliefert hat, denen er sie dorthin getragen hat, wo sie sie brauchten. Sie schätzten und liebten Helmut für seine Treue und sein Engagement. Es waren die, die sozial am Rande standen, denen sich Helmut zugewandt hat, auch mit der Vermietung von Wohnraum an sie. | |||
Seine Frau Birgitt hat dieses Leben mit ihm geteilt, neben und mit ihrem Dienst im Krankenhaus. Gemeinsam haben sie das Haus im Katthagen 5 ausgebaut. Dort wart Ihr, Christian als Familie zuhause. Die Mutter ist zu früh so schwer krank geworden. Am Ende hat Helmut sie bis zu ihrem Tod gepflegt; am 18. November 2000, an einem Samstag, ist sie beim Abendläuten gestorben. ,,Ein Licht ist ausgegangen, aber es ist nicht verloschen. Denn tot ist nur, wer vergessen wird." Dieses Wort von Hemingway stand über der Anzeige ihres Todes, so wie jetzt auch bei Helmut. | |||
Die Beerdigung seiner Frau Birgit war das Schlüsselerlebnis für unsere Freundschaft. Helmut war an so vielen Fragen interessiert, wir haben intensiv die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt und diskutiert und natürlich die Theodizee-Frage, die Frage, ob und wie man von Gott reden und an ihn glauben kann angesichts des Leidens in der Welt. Helmut hat die Auseinandersetzung über theologische und kirchliche Fragen gesucht. Wir haben aber auch zusammen Bäume gefällt und sind uns über die Landwirtschaft nähergekommen. | |||
Ich habe ihn als einen interessierten und zugewandten Menschen erlebt und schätzen gelernt, freilich auch als einen, der, je ältere er wurde, feste Vorstellungen von seinem Leben - und auch von dem Leben der Anderen – entwickelt hat, schwer zugänglich war für andere Meinungen; das hat das Miteinander schwer gemacht. Sie haben das als Schwester erlebt bei der Pflege der Mutter, die Helmut aufopferungsvoll übernommen hat, bei der er aber seine Vorstellungen zum Maßstab gemacht und andere Meinungen nicht gelten lassen konnte. | |||
Die ganze Ambivalenz haben wir auch im Kirchenvorstand erlebt: Sein hohes Engagement und dann auch das nicht mehr Zusammenkommen. Wir verdanken ihm viel: Den Kerzenständer habe ich schon erwähnt, die schöne Tür zum Aufgang des Turmes wurden nach seinen Vorstellungen und von seinem Holz gezimmert, ebenso der Empfangstresen dort. Ich denke mit großem Dank an seine Art, sich bei Festen einzubringen. Das war bei den Katthagen-Festen so gewesen, das war so bei dem schönen Fest mit dem Jugendchor aus Namibia draußen an der Scheune, beim ökumenischen Fest am Kilian im selben Jahr, wo er für die Chöre eigens eine Bühne gebaut hat. Ich denke an das Ökumenische Fest in Willingen, an seinen Einsatz für die Kilians-Orgeln und vieles mehr. | |||
Helmut liebte es Menschen zusammenzubringen, Traditionen aufzunehmen und neu zu füllen. Seiner Goldenen Konfirmation im Jahr 2016 hat er eine ganz neue Form gegeben, nach dem Gottesdienst im Kilian wurde ein Fest an Söhnen Scheune gefeiert- er hat damit deutlich gemacht: Heute 64jährige wollen anders feiern als das vor Jahrzehnten der Fall war. Helmut war kein Mann, der allein leben konnte. | |||
Du, Regine, und er, ihr seid Euren Weg, bald nach dem Tod seiner Frau und über 20 Jahre zusammen gegangen. Ihr habt Euch gegenseitig unterstützt: Du warst mit ihm in der Nacht draußen im Stall, wenn ein Kalb geboren wurde, Du hast ihn begleitet bei seiner Leidenschaft auf Flohmärkten nach dem zu suchen, was ihn fasziniert hat, Modelleisenbahn – Autos – und schließlich auch bei der Suche nach alten Traktoren- und nicht zuletzt beim gemeinsamen Ausbau des Hauses Katthagen 7. | |||
Vor dreieinhalb Jahren kam der große Einbruch in seinem Leben. Es begann mit einer Geschichte, wie sie eben zum Leben von Helmut gehört. Er spürte draußen am Stall den Herzinfarkt, fuhr mit seinem Bully direkt zum Krankenhaus und schaffte selbst noch den Weg in die Notaufnahme. lm Klinikum in Marburg hat er über Wochen um das Überleben gekämpft. „Er schafft das!", so habe ich Dich, Regine, in Erinnerung. Ihr habt ihn alle sehr unterstützt, für ihn gebetet. Ja, er hat sich ins Leben zurückgekämpft. Aber er war hinterher nicht mehr derselbe, Er, den immer eine große Körperkraft auszeichnete, hat sich auf einmal so schwach erlebt. Darunter hat er gelitten, das hat ihn verändert, das hat das gegenseitige Verstehen schwer gemacht. | |||
In den letzten Monaten und Wochen haben ihn die Kräfte verlassen, mehr noch der Wille zum Leben. Das war für Euch, die Lebenspartnerin, den Sohn, die Schwester nicht einfach. Sie, Christian, haben mit Anna-Lena, den Vater gepflegt und unterstützt bis zu seinem Tod und ihm damit einen großen Dienst erwiesen. Am Ende mussten Sie die schwere und traurige Entscheidung treffen, dass die medizinischen Geräte abgeschaltet werden und das Sterben seinen Lauf nehmen kann. So gerne hätten Sie lhrem Vater Lebenskraft und Lebensmut gegeben. | |||
Helmut Söhne ist gestorben. Wir haben seine Urne vor diesem Trauergottesdienst auf dem Friedhof im Familiengrab beigesetzt. | |||
Wir nehmen Abschied: Vom Vater, vom Lebenspartner, vom Bruder und Schwager, vom Onkel, vom Verwandten, vom Freund, von einem Mann, der sein Leben auf seine Weise gelebt hat und gestorben ist. | |||
Für den Abschied von ihm sind mir Worte aus dem Buch des Predigers Salomo in den Sinn gekommen. Dort heißt es im 3. Kapitel: ,,lch sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. Da merkte ich, dass es nicht Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Tun, das ist eine Gabe Gottes." (Prediger 3, 10- 13) | |||
Helmut Söhne war für uns eine Gabe Gottes, in allem, wie wir ihn erlebt haben. Mit seinen wunderbaren Gaben, die ihn ausgezeichnet haben, die er zu so vielem eingesetzt hat, und mit seinen Ecken und Kanten, an denen wir uns manchmal gestoßen haben und mit denen er es sich selbst schwer gemacht hat. Das Leben wird vom Prediger als Arbeit beschrieben. Arbeit bedeutet Würde und Lebensgestaltung, macht Freude und schafft Zufriedenheit. Arbeit ist auch Last, manchmal auch Fluch. Leben ist immer mehr als Arbeit, Essen und Trinken und Feiern gehören auch zum Leben, das ist schön! | |||
Und: Zum Leben gehören auch Krankheit und Leiden, Abschied und Trauer. Wir haben das Leben nicht in der Hand. | |||
Wir danken heute für das Leben von Helmut Söhne und legen es zurück in Gottes Hände. Bei ihm ist er geborgen. Davon war er überzeugt. ,,lch will sterben. Kannst Du nicht ein Wort für mich einlegen, Du hast doch besseren Kontakt nach oben." Den habe ich definitiv nicht. Aber: Ein Wort für ihn einlegen, das können wir alle, unseren Frieden mit ihm machen und ihn dem Frieden Gottes anbefehlen. Amen. | |||
Lasst uns beten: Gott, wir nehmen Abschied von Helmut Söhne: Von dem Vater, von dem Lebenspartner, von dem Bruder und Schwager, von dem Onkel und Cousin, von dem Verwandten, von dem Freund, von dem Nachbarn, von dem ehemaligen Sportkameraden. Jeder von uns blickt auf seine Lebensgeschichte mit ihm zurück, auf die schönen und die schweren gemeinsamen Zeiten und Erfahrungen. Wir sehen, was gelungen ist, wo wir an unsere Grenzen gestoßen sind, was offengeblieben ist. Wir danken Dir, Gott, für das Leben von Helmut Söhne, für die Gaben, die ihm geschenkt waren, für die Liebe, die er gegeben hat, für sein Engagement auf so vielen Feldern des Lebens. Wir sehen, was ihn erfreut und was ihn belastet hat, was ihm gelungen ist und worunter er gelitten hat, was da war an Nähe und an Distanz. Gott, wir bitten dich: Hilf uns Helmut zu sehen, wie er gewesen ist, mit allem, was sein Leben und unser Leben mit ihm ausgemacht hat. Lass uns in Liebe und in Dankbarkeit an ihn denken. Schenke uns, unseren Frieden mit ihm zu machen. Vergib uns, was wir ihm schuldig geblieben sind. Schenke ihm deinen Frieden. Gib uns Deinen Frieden für unser Zusammenleben heute und morgen, für alle Wege, die nun vor uns liegen. In der Stille wollen wir unsere eigenen Gedanken sammeln und vor Dich bringen...... Vater unser im Himmel . . . . | |||
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Aktuelle Version vom 31. Juli 2022, 17:02 Uhr

Korbach - Kilianskirche
10. Juni 2022
Orgelvorspiel
Liturgische Eröffnung und Begrüßung
Lied EG 488, 1+2+5 Bleib bei mir, Herr!
Psalm 139
Schriftlesung: 1. Korinther 13
Einspielung CD: „Tougher than the rest"- Bruce Springsteen (,,Härter als der Rest")
Predigt
Lied: EG +6, 1+2+5 Von guten Mächten
Gebet
Vater unser
Lied EG 503, 1+9+15 Geh aus mein Herz
Segen
Orgelnachspiel
(Währenddessen Möglichkeit um Abschiednehmen am Bild.
Die Urnenbeisetzung hat schon vor der Trauerfeier stattgefunden.)
Liebe Regine Lange, lieber Christian Söhne, liebe Waltraud Lüer,
liebe Angehörige, liebe Trauergemeinde!
Um die Schritte des Lebens von Helmut Söhne gemeinsam noch einmal abzugehen, um noch einmal nachzuempfinden was wir alle mit dem Verstorbenen erlebt haben, um ihn in all seinem Tun angemessen wahrzunehmen und zu würdigend, dazu bräuchte es mehr als nur eine relativ kurze Trauerfeier. Und doch werde ich gemeinsam mit Euch und mit Ihnen allen, die Sie hier in die Kilianskirche gekommen sind, genau das versuchen. Es gibt keinen besseren Ort, gemeinsam von Ihm Abschied zu nehmen, als hier. Er ist unter dem Kilian im Katthagen aufgewachsen, er hat hier, abgesehen von der Zeit des Studiums und der Bundeswehr, sein ganzes Leben gelebt. Die Glocken des Kilian haben seinem Leben Struktur gegeben, sie verbinden sich mit einschneidenden Ereignissen in seinem Leben. Helmut Söhne hat Spuren in dieser Kirche hinterlassen, so zum Beispiel mit dem wunderbaren Weinstock-Kerzenständer, für dessen Herstellung er den Schmied angeworben und bei dessen Gestaltung er ganz wesentlich mitgewirkt hat.
Helmut Söhne wurde am 27. Januar 1953 als jüngstes Kind vonKarl und Hermine Söhne geboren und am 22. März im Kilian getauft. Gemeinsam mit Ihnen, der älteren Schwester, und dem älteren Bruder Karl-Heinz ist er aufgewachsen. Das Lebend er Familie Söhne war geprägt von der Landwirtschauft und dem Kohlenhandel. Helmut war früh mit hineingenommen in die die tägliche Arbeit in der Familie, das wurde umso mehr so, nachdem der Bruder Karl-Heinz unweit der Feldscheune tödlich verunglückte. Dieser Tod hat das Leben der ganzen Familie beeinflusst und geprägt. Schon im Alter von 13 Jahren wurde er am 15. Mai 1966 von Pfarrer Bloechle konfirmiert. ,,Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht". Dieses Wort aus dem Prophetenbuch Jesaja, Kapitel 12, Vers 2, war sein Konfirmationsspruch. Ja, Helmut war unerschrocken, er hat eine große Sicherheit ausgestrahlt. Er wusste, was er wollte, ist seinen Weg gegangen, auch dann, wenn der nicht gerade leicht war. Ein großes Gottvertrauen hat ihn ausgezeichnet. Glaube und Kirche waren ihm wichtig. Er hatte es nicht immer leicht mit seiner Kirche, seine Kirche hat es ihm auch nicht immer leicht gemacht. Er hat unkonventionelle Wege gesucht und gefunden, er hat oft vermittelt zwischen den Agnostikern und Atheisten auf der einen und den Kirchenleuten auf der anderen Seite.
Als er 15 Jahre alt war, brannte die Scheune im Feld ab. Beim Neuaufbau planten sein Vater und er einen Hobbyraum. Das war der Beginn von ,,Söhnen Scheune", einem Kult-Ort, der in aller Munde war und durch den Generationen von jungen Menschen in Korbach gelaufen sind. Unvergessen und legendär sind die Rockfeste, die hier- von Helmut organisiert - in den 70er und 80erJahren stattfanden. Helmut hat für junge Menschen einen Ort der Begegnung geschaffen, einen Ort, an dem gefeiert werden konnte, einen Ort, an dem die Musik eine große Rolle einnahm, einen Ort, an dem junge Menschen wenig dabei gestört wurden, zu sein und zu feiern, wie es ihren Vorstellungen entsprach.
Helmut war nach seinem Abitur zwei Jahre bei der Bundeswehr, bei den Sanitätern. Mit seiner Ausbildung, die er hier erworben hat, konnte er später im Krankenhaus in Korbach arbeiten, damit auch seinen Lebensunterhalt während des Studiums absichern. Er hat erfolgreich Landwirtschaft in Gießen studiert, unter anderem Praktika in den USA absolviert, ein Land, das ihn fasziniert hat. Es gehört zu den Besonderheiten im Leben von Helmut, das er nach dem erfolgreichen Studium in Korbach geblieben ist, die elterliche Landwirtschaft übernommen und auf seine Weise fortgeführt hat - und ebenso den Kohlenhandel. Dabei spielte sicher die Sorge um die Eltern eine große Rolle.
Er hat aus seiner Selbständigkeit viel an Lebenssinn gewonnen, er liebte die Freiheit und die Unabhängigkeit, war kein Mensch für eine Tätigkeit in der Verwaltung oder in der Industrie. Diese Entscheidung hat ihn auch Opfer gekostet, Es war eine immerwährende Herausforderung, die Existenz wirtschaftlich abzusichern - und auch die kritischen Stimmen und Blicke auszuhalten. Das galt auch für seinen Kohlenhandel, der über die Jahre immer weniger wurde. Er hatte ein Herz für seine älter werdenden Kunden, die er mit Kohlen und auch mit Holz beliefert hat, denen er sie dorthin getragen hat, wo sie sie brauchten. Sie schätzten und liebten Helmut für seine Treue und sein Engagement. Es waren die, die sozial am Rande standen, denen sich Helmut zugewandt hat, auch mit der Vermietung von Wohnraum an sie.
Seine Frau Birgitt hat dieses Leben mit ihm geteilt, neben und mit ihrem Dienst im Krankenhaus. Gemeinsam haben sie das Haus im Katthagen 5 ausgebaut. Dort wart Ihr, Christian als Familie zuhause. Die Mutter ist zu früh so schwer krank geworden. Am Ende hat Helmut sie bis zu ihrem Tod gepflegt; am 18. November 2000, an einem Samstag, ist sie beim Abendläuten gestorben. ,,Ein Licht ist ausgegangen, aber es ist nicht verloschen. Denn tot ist nur, wer vergessen wird." Dieses Wort von Hemingway stand über der Anzeige ihres Todes, so wie jetzt auch bei Helmut.
Die Beerdigung seiner Frau Birgit war das Schlüsselerlebnis für unsere Freundschaft. Helmut war an so vielen Fragen interessiert, wir haben intensiv die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt und diskutiert und natürlich die Theodizee-Frage, die Frage, ob und wie man von Gott reden und an ihn glauben kann angesichts des Leidens in der Welt. Helmut hat die Auseinandersetzung über theologische und kirchliche Fragen gesucht. Wir haben aber auch zusammen Bäume gefällt und sind uns über die Landwirtschaft nähergekommen.
Ich habe ihn als einen interessierten und zugewandten Menschen erlebt und schätzen gelernt, freilich auch als einen, der, je ältere er wurde, feste Vorstellungen von seinem Leben - und auch von dem Leben der Anderen – entwickelt hat, schwer zugänglich war für andere Meinungen; das hat das Miteinander schwer gemacht. Sie haben das als Schwester erlebt bei der Pflege der Mutter, die Helmut aufopferungsvoll übernommen hat, bei der er aber seine Vorstellungen zum Maßstab gemacht und andere Meinungen nicht gelten lassen konnte.
Die ganze Ambivalenz haben wir auch im Kirchenvorstand erlebt: Sein hohes Engagement und dann auch das nicht mehr Zusammenkommen. Wir verdanken ihm viel: Den Kerzenständer habe ich schon erwähnt, die schöne Tür zum Aufgang des Turmes wurden nach seinen Vorstellungen und von seinem Holz gezimmert, ebenso der Empfangstresen dort. Ich denke mit großem Dank an seine Art, sich bei Festen einzubringen. Das war bei den Katthagen-Festen so gewesen, das war so bei dem schönen Fest mit dem Jugendchor aus Namibia draußen an der Scheune, beim ökumenischen Fest am Kilian im selben Jahr, wo er für die Chöre eigens eine Bühne gebaut hat. Ich denke an das Ökumenische Fest in Willingen, an seinen Einsatz für die Kilians-Orgeln und vieles mehr.
Helmut liebte es Menschen zusammenzubringen, Traditionen aufzunehmen und neu zu füllen. Seiner Goldenen Konfirmation im Jahr 2016 hat er eine ganz neue Form gegeben, nach dem Gottesdienst im Kilian wurde ein Fest an Söhnen Scheune gefeiert- er hat damit deutlich gemacht: Heute 64jährige wollen anders feiern als das vor Jahrzehnten der Fall war. Helmut war kein Mann, der allein leben konnte.
Du, Regine, und er, ihr seid Euren Weg, bald nach dem Tod seiner Frau und über 20 Jahre zusammen gegangen. Ihr habt Euch gegenseitig unterstützt: Du warst mit ihm in der Nacht draußen im Stall, wenn ein Kalb geboren wurde, Du hast ihn begleitet bei seiner Leidenschaft auf Flohmärkten nach dem zu suchen, was ihn fasziniert hat, Modelleisenbahn – Autos – und schließlich auch bei der Suche nach alten Traktoren- und nicht zuletzt beim gemeinsamen Ausbau des Hauses Katthagen 7.
Vor dreieinhalb Jahren kam der große Einbruch in seinem Leben. Es begann mit einer Geschichte, wie sie eben zum Leben von Helmut gehört. Er spürte draußen am Stall den Herzinfarkt, fuhr mit seinem Bully direkt zum Krankenhaus und schaffte selbst noch den Weg in die Notaufnahme. lm Klinikum in Marburg hat er über Wochen um das Überleben gekämpft. „Er schafft das!", so habe ich Dich, Regine, in Erinnerung. Ihr habt ihn alle sehr unterstützt, für ihn gebetet. Ja, er hat sich ins Leben zurückgekämpft. Aber er war hinterher nicht mehr derselbe, Er, den immer eine große Körperkraft auszeichnete, hat sich auf einmal so schwach erlebt. Darunter hat er gelitten, das hat ihn verändert, das hat das gegenseitige Verstehen schwer gemacht.
In den letzten Monaten und Wochen haben ihn die Kräfte verlassen, mehr noch der Wille zum Leben. Das war für Euch, die Lebenspartnerin, den Sohn, die Schwester nicht einfach. Sie, Christian, haben mit Anna-Lena, den Vater gepflegt und unterstützt bis zu seinem Tod und ihm damit einen großen Dienst erwiesen. Am Ende mussten Sie die schwere und traurige Entscheidung treffen, dass die medizinischen Geräte abgeschaltet werden und das Sterben seinen Lauf nehmen kann. So gerne hätten Sie lhrem Vater Lebenskraft und Lebensmut gegeben.
Helmut Söhne ist gestorben. Wir haben seine Urne vor diesem Trauergottesdienst auf dem Friedhof im Familiengrab beigesetzt.
Wir nehmen Abschied: Vom Vater, vom Lebenspartner, vom Bruder und Schwager, vom Onkel, vom Verwandten, vom Freund, von einem Mann, der sein Leben auf seine Weise gelebt hat und gestorben ist.
Für den Abschied von ihm sind mir Worte aus dem Buch des Predigers Salomo in den Sinn gekommen. Dort heißt es im 3. Kapitel: ,,lch sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. Da merkte ich, dass es nicht Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Tun, das ist eine Gabe Gottes." (Prediger 3, 10- 13)
Helmut Söhne war für uns eine Gabe Gottes, in allem, wie wir ihn erlebt haben. Mit seinen wunderbaren Gaben, die ihn ausgezeichnet haben, die er zu so vielem eingesetzt hat, und mit seinen Ecken und Kanten, an denen wir uns manchmal gestoßen haben und mit denen er es sich selbst schwer gemacht hat. Das Leben wird vom Prediger als Arbeit beschrieben. Arbeit bedeutet Würde und Lebensgestaltung, macht Freude und schafft Zufriedenheit. Arbeit ist auch Last, manchmal auch Fluch. Leben ist immer mehr als Arbeit, Essen und Trinken und Feiern gehören auch zum Leben, das ist schön!
Und: Zum Leben gehören auch Krankheit und Leiden, Abschied und Trauer. Wir haben das Leben nicht in der Hand.
Wir danken heute für das Leben von Helmut Söhne und legen es zurück in Gottes Hände. Bei ihm ist er geborgen. Davon war er überzeugt. ,,lch will sterben. Kannst Du nicht ein Wort für mich einlegen, Du hast doch besseren Kontakt nach oben." Den habe ich definitiv nicht. Aber: Ein Wort für ihn einlegen, das können wir alle, unseren Frieden mit ihm machen und ihn dem Frieden Gottes anbefehlen. Amen.
Lasst uns beten: Gott, wir nehmen Abschied von Helmut Söhne: Von dem Vater, von dem Lebenspartner, von dem Bruder und Schwager, von dem Onkel und Cousin, von dem Verwandten, von dem Freund, von dem Nachbarn, von dem ehemaligen Sportkameraden. Jeder von uns blickt auf seine Lebensgeschichte mit ihm zurück, auf die schönen und die schweren gemeinsamen Zeiten und Erfahrungen. Wir sehen, was gelungen ist, wo wir an unsere Grenzen gestoßen sind, was offengeblieben ist. Wir danken Dir, Gott, für das Leben von Helmut Söhne, für die Gaben, die ihm geschenkt waren, für die Liebe, die er gegeben hat, für sein Engagement auf so vielen Feldern des Lebens. Wir sehen, was ihn erfreut und was ihn belastet hat, was ihm gelungen ist und worunter er gelitten hat, was da war an Nähe und an Distanz. Gott, wir bitten dich: Hilf uns Helmut zu sehen, wie er gewesen ist, mit allem, was sein Leben und unser Leben mit ihm ausgemacht hat. Lass uns in Liebe und in Dankbarkeit an ihn denken. Schenke uns, unseren Frieden mit ihm zu machen. Vergib uns, was wir ihm schuldig geblieben sind. Schenke ihm deinen Frieden. Gib uns Deinen Frieden für unser Zusammenleben heute und morgen, für alle Wege, die nun vor uns liegen. In der Stille wollen wir unsere eigenen Gedanken sammeln und vor Dich bringen...... Vater unser im Himmel . . . .
