Walter Söhne, * 1913
154 - Walter Söhne und Waltraut geb. Riemschneider
Walter Hermann Christian Söhne wurde am 7.10.1913 in Fürstenberg geboren. Seine Eltern waren Christian Söhne und Auguste geb. Kesting (Nr. 119).
Am 8. Mai 1948 heiratete er die am 14.01.1923 geborene Buchändlerin und Bibliothekarin Waltraut Riemschneider. Aus der Ehe sind drei Kinder hervorgegangen.
Er ist emeritierter Professor und Direktor des Instituts für Landmaschinen an der Technischen Universität München.
Im Gefolge seines Vaters befaßte er sich und befaßt sich immer noch sehr intensiv mit der Familiengeschichte und es ist ihm zu verdanken, daß vieles nicht in Vergessenheit geraten ist.
Würdigung von Prof. Walter Söhne im "Klosterglöckchen"
Nachrichten für die Mitglieder des Vereins ehemaliger Korbacher Gymnasiasten
„Klosterglöckchen“
Nummer 3 70. Jahrgang Korbach, Dezember 2003
Professor Dr. Walter Söhne wurde 90 Jahre alt
Am 7. Oktober feierte Dr. Walter Söhne in Gräfelfing bei München seinen 90. Geburtstag.
Der Lehrstuhl für Landmaschinen der Universität München veranstaltete eingedenk seiner Verdienste ein Festkolloquium.
Walter Söhne wurde 1913 als Lehrerssohn im waldeckischen Fürstenberg geboren. Nach dem frühen Tod seiner Eltern kam er im Alter von elf Jahren zu seinem Vormund nach Sachsenhausen und ein halbes Jahr später nach Korbach in das Haus des Oberschullehrers Karl Hopff, seinem späteren Pflegevater. Ostern 1924 wurde er Schüler der Alten Landesschule und machte Ostern 1933 sein Abitur. Er erinnert sich gern an die Schulzeit und ist seinen ehemaligen Lehrern, den Studienräten Noll, Bartsch, Dr. Schnelle, Dr. Marschner und Dr. Kürschner, dankbar für die gute Ausbildung, die ihm für sein späteres Leben als gutes Rüstzeug diente.
Er entschloss sich, Elektrotechnik an der TH in Stuttgart zu studieren. Nach vier Semestern und dem Vorexamen
wechselte er zur Luftfahrttechnik über, arbeitete ein Jahr als Werkstudent und Praktikant bei Messerschmitt – 1933 hatte er übrigens mit anderen Korbacher Pennälern die Gleitfliegerprüfung A in Usseln abgelegt – und wurde Mitglied der Akademischen Fliegergruppe Stuttgart. Das verhalf ihm später zu einer Ausbildung als Segel- und Motorflieger und zu einem Kunstflugschein. Außerdem arbeitete er bei der Konstruktion von Segelflugzeugen mit. Söhnes berufliche Tätigkeit begann 1939 bereits unter dem Eindruck des beginnenden zweiten Weltkrieges:
Flugbauführer bei Focke Wulf in Bremen, Berufung in das Reichsluftfahrtministerium in Berlin. Dann wurde
er als Segelflieger zu den Lastenseglern eingezogen, wo er europaweit Einsätze fliegen musste. Es folgten Kommandierungen in die Luftforschungsanstalt bei Stuttgart und die Metallwerke in Erfurt, wo er als Flugzeugkonstrukteur tätig war. Das Kriegsende 1945 bedeutete auch für ihn eine Neuorientierung. Zunächst
ging er als Landarbeiter auf den Hof seines Vetters in Niederwerbe und bekam dadurch Kontakt zur Landwirtschaft. Anfang Januar 1946 hatten seine Bemühungen um Wiedereinstieg in seine Berufslaufbahn
Erfolg, er kam als Doktorand an die Luftforschungsanstalt in Braunschweig, wo er 1947 promovierte. Inzwischen wurde auf Veranlassung der Engländer der Betrieb geschlossen, jedoch erreichten die Deutschen, dass die Gebäude nicht gesprengt wurden, und so konnten sie eine landwirtschaftliche Forschungsanstalt aufnehmen. Söhne bekam dort eine Stelle und arbeitete sich in das neue Gebiet ein. Studienreisen nach Amerika,
eine Einladung zu einem achtmonatigen Studienaufenthalt an einer Universität in Kalifornien, all dieses erweiterte seinen Gesichtskreis. Nach seiner Habilitation an der TH (später TU) hielt er dort Vorlesungen. 1948 heiratete er Waltraud Riemenschneider, die als Bibliothekarin an der Forschungsanstalt arbeitete. Sie bekamen drei Kinder: Barbara, Gerhard und Reinhild. 1965 erhielt Walter Söhne einen Ruf als ordentlicher Professor an die TU in München. Er vertrat in Forschung und Lehre das Gebiet der Agrartechnik. Forschung und Versuche befassten sich mit der technischen Weiterentwicklung landwirtschaftlicher Geräte. Darunter war die wesentliche Verbesserung der Schleppersicherheit, wodurch die Zahl der Unfälle in der Landwirtschaft stark verringert werden konnte. Hierfür erhielt Walter Söhne das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Zu erwähnen sind noch etwa 100 wissenschaftliche Veröffentlichungen. 1982 wurde er Emeritus. Zehn Jahre
danach erschien aus seiner Feder ein detaillierter Überblick über die Methoden der Nahrungsgewinnung von der jüngeren Steinzeit bis heute.
Neben dem Beruf hat Walter Söhne seine humanistische Bildung nicht vernachlässigt. Das von seinen Lehrern an der Alten Landesschule geweckte Interesse veranlasste ihn immer wieder, sich mit der Übersetzung von lateinischen Texten zu beschäftigen. So war ihm aufgefallen (s. Klosterglöckchen März 1993), dass Martin Luther in seiner Bibelübersetzung die „casus“ der lateinischen Deklination beibehalten hatte. Auch in den von Zeit zu Zeit im Klosterglöckchen veröffentlichten Berichten über seine Studienfahrten mit seiner Frau kommt seine große Liebe zum humanistischen Bildungsgut zum Ausdruck. Besucht wurden vor allem die Stätten des klassischen Altertums, wo sie die Geschichte, Kunst, Literatur und Sprache „an der Quelle“ studieren konnten.
Als letzten Punkt möchte ich an seine große Treue zum Verein ehemaliger Korbacher Gymnasiasten erinnern, dem er seit seinem Abitur im Jahre 1933 angehört. Der Verein ist für ihn das Bindeglied zu seiner Schule, seinen ehemaligen Lehrern und Klassenkameraden. Er verfolgt aufmerksam die Ereignisse, nimmt, wenn möglich, an den Veranstaltungen teil und verfasst Beiträge für das Klosterglöckchen.
1993 reagierte er auf unseren Bericht über den desolaten Zustand des wertvollsten Buches der ALS-Bibliothek,
der „Adagia“ von Erasmus von Rotterdam, einer Sprichwortsammlung in lateinischer Sprache, 1523 in Basel gedruckt. Spontan bot er an, sich um die Restaurierung zu kümmern und dafür die Kosten zu übernehmen. Im August 1993 wurde das restaurierte Buch von Professor Söhne nach Korbach gebracht und an der Alten Landesschule sowie im Klosterglöckchen vorgestellt. Dabei übersetzte und kommentierte er eine Auswahl von Sprichwörtern.
In diesem Sommer folgte Prof. Söhne der Einladung der ALS, als Jubilar an der Abiturfeier teilzunehmen, es waren seit seinem Abitur inzwischen 70 Jahre vergangen. Der Verein der Ehemaligen und die Alte Landesschule wünschen Professor Walter Söhne und seiner Frau Waltraud für die Zukunft alles erdenklich Gute.
Margarete Garve
Werke von Prof. Walter Söhne
Link: http://www.tec.wzw.tum.de/downloads/dig/geschichte_ltm.pdf