Wilhelm Christian Ludwig Söhne * 1868

Aus Söhnewiki
Version vom 12. Juni 2011, 20:51 Uhr von Dr. Wilhelm-Kai Söhne (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

121 - Wilhelm Söhne und seine zwei Ehefrauen Marie geb. Lösekamm und Friederike geb. Weinreich

Wilhelm Christian Ludwig Söhne ist der Sohn von Christian Söhne und Marie geb. Münch (Nr. 101). Er wurde am 17.1.1868 in Waldeck geboren und ist 1943 gestorben. Ich möchte zunächst auf die Chronik verweisen (S. 15):


Chronik S. 15

Er blieb nach seiner Konfirmation im Elternhause und wurde Landwirt; seinem Bruder war er ein treuer Helfer. 1898 (genau am 22.8.1899) heiratete er in das Lösekammsche Gut nach Niederwerbe. Seine junge Frau Marie, geboren Lösekamm brachte ihm ein großes, aber sehr verschuldetes Gut mit in die Ehe. Leider starb sie schon nach 1 1/2 Jahren an der Schwindsucht (Tuberkulose).

Vor ihrem Tode setzte sie ihren Mann zum Erben ein. Nach der Trauerzeit (am 13.3.1902) verheiratete sich Wilhelm mit Friederike (Rikchen) Weinreich (1878 - 1958), der Tochter des Bürgermeisters in Werbe. Dieser Ehe entsprossen acht Kinder:
Marie, Wilhelm, Friedrich, Frieda, Karl, Adolf, Martha und Lina.
Karl ertrank im Alter von 10 Jahren im Vorbecken der Edertalsperre.

Durch den Bau der Edertalsperre wurde das ganze Dorf Niederwerbe sehr in Mitleidenschaft gezogen. Das ganze Unterdorf, alle Gebäude die unterhalb der Straße standen, mußten abgerissen und anderswo aufgebaut werden. Auch Bruder Wilhelm und Schwager Weinreich wurden abgelöst. Sie erbauten sich neue moderne Gehöfte an der Straße nach Sachsenhausen auf ihre Planstücke, 1912 Wilhelm und 1913 Schwager Weinreich.


Weitere, sehr ausführliche Angaben sind dem von der Enkelin Helga Kühn geb. Söhne verfaßten (unveröffentlichten) Buch "Fritz und Otti" zu entnehmen

Erzählung von Helga Kühn geb. Söhne

Unser Großvater Wilhelm Söhne aus Waldeck heiratete am 22.08.1898 Marie Lösekamm in Niederwerbe. Seine junge Frau brachte ihm ein großes, aber sehr verschuldetes Gut mit in die Ehe.
Ihre Eltern waren schon verstorben, und sie hatte keine Geschwister. Schon nach einjähriger Ehe starb auch sie an der Schwindsucht. Vor ihrem Tode setzte sie ihren Mann als alleinigen Erben ein und bat ihn, in zweiter Ehe ihre beste Freundin Friederike (Rickchen) Weinreich zu heiraten.
Im März 1902 wurde diese Ehe geschlossen. Aus ihr gingen acht Kinder hervor.

Mariechen geb. 30.11.1902 gestorben 03.08.1948
Wilhelm geb. 04.05.1904 gefallen 16.04.1945
Fritz geb. 24.05.1906 gestorben 17.09.1989
Frieda geb. 11.05.1908 gestorben 08.12.1987
Karl geb. 17.01.1912 ertrunken 22.11.1920
Adolf geb. 08.12.1913 gefallen 10.03.1940
Martha geb. 31.03.1919 gestorben 25.02.1966
Lina geb. 08.05.1922

Unser Vater Fritz war also das dritte Kind der Eheleute Wilhelm und Friederike Söhne. Sein Geburtshaus stand in dem Teil von Nieder-Werbe, der bei dem Bau der Sperrmauer 1912 - 1914 dem angestauten Wasser weichen mußte. Der alte Fachwerk-Bauernhof stand bei der Kirche im Bereich des heutigen Reiherbach-Vorstaubeckens.

Unser Großvater hat den neuen Hof weiter oben am Reiherbach direkt am Ende der heutigen Stauhöhe aufgebaut. An dem Vorbau vor der Haustür hat er einen Teil der Eichenbalken aus dem alten Fachwerkbau verarbeitet. Über der Haustür ließ er das Söhn'sche Wappen - Glaube, Liebe, Hoffnung - einmeißeln und den Segensspruch: "Ich und mein Haus wolen dem Herrn dienen."

Heinz hat später, nach dem Abriß des Vorbaus, aus dem alten Holz einen Tisch und eine Bank geschreinert.

Die Bauern, die bei dem Bau der Sperrmauer umsiedeln mußten, bekamen von der Regierung eine recht großzügige Abfindung. Unser Großvater brauchte aber viel Geld, um die mit dem Hof übernommenen Schulden bezahlen zu können. Aus Sparsamkeit wurden darum große Teile des Neubaus in Eigenleistung errichtet.

Unser Vater war zu der Zeit des Umzuges etwa sieben Jahre alt. Er konnte sich daran erinnern, wie sein Vater, Bruder Willi und er im Winter mit dem Pferdefuhrwerk die gute Erde aus ihrem alten Garten in den neu angelegten Hausgarten gefahren haben.

Sonst hatte unser Vater nur wenige Erinnerungen an sein Geburtshaus, aber er wußte noch, daß er einmal die hohe Steintreppe heruntergefallen war und sich dabei eine Platzwunde am Kopf zugezogen hatte. An die eilige Kutschfahrt mit seinem Vater nach Korbach zu Dr. Führer konnte er sich noch besonders gut erinnern.

Die erste Frau unseres Großvaters, Marie Lösekamm, hatte bei ihrem frühen Tod zwar keine Eltern und Geschwister mehr, aber entferntere Verwandte - insbesondere zwei Vettern, die ins Ruhrgebiet gezogen waren - erhoben Anspruch auf ihren Anteil des Hofes, den die junge Frau ja ihrem Mann vererbt hatte. Unser Vater hat oft davon erzählt, wie schwer es seinen Eltern gefallen ist, diesen Ansprüchen nachzukommen.

So hätte z.B. die Mutter in einem Herbst einmal zu ihrem Mann gesagt, sie müßten unbedingt ein Schwein schlachten, denn sie wüßte nicht mehr, was sie auf den Tisch bringen sollte. - Um diesen Tisch saßen bei jeder Mahlzeit immerhin 10 bis 15 Leute. - Aber der Großvater hätte geantwortet, das ginge jetzt noch nicht. Die zwei fetten Schweine, die im Stall stünden, müßten verkauft werden, weil er sonst das fällige Geld für die beiden Lösekamms, die Vettern seiner ersten Frau, nicht zusammenbekäme. Die Hausfrau mußte sich also mit Eiern, Hühnern oder eben mit fleischlosen Mahlzeiten behelfen, bis ein anderes Schwein schlachtreif war.

Ja, unsere Großeltern hatten es gewiß nicht leicht mit ihrem 75 Morgen großen Hof, dem Neubau, all ihren Verpflichtungen und der großen Kinderschar, denn die junge Familie wuchs sehr schnell. Die sechs ältesten Kinder wurden in den ersten elf Jahren geboren. Die beiden beiden jüngsten Töchter dann sechs bzw. neun Jahre später. -

Aber sie selbst waren gesunde, starke und gottesfürchtige Menschen,und auch ihre Kinder waren alle gesund. Einen Schicksalsschlag aber mußten sie hinnehmen, der sie sehr schwer getroffen hat. Der neunjährige Karl sollte im November 1920 die Gänse vom Eis nach Hause holen. An der Stelle, wo die Gänse gesessen hatten, war das Eis zu dünn. Karlchen ist eingebrochen und ertrunken. Alle Versuche, ihn wieder zu beleben, waren vergeblich. Unser Vater war damals vierzehn Jahre alt und hat all die Not miterlebt. Der Großvater hat am Abend dieses Tages gesagt: „Der liebe Gott wird uns wohl nicht schwerer auflegen, als wir tragen können."

Damals wurde auf den Dörfern fast alles, was man zum Leben brauchte, selbst hergestellt. Dazu waren besonders der unermüdliche Fleiß, das Können und die Geschicklichkeit der Hausfrau gefragt. - Die Aufzucht von Geflügel und Kleinvieh, das Erzeugen und Verarbeiten von Obst und Gemüse, das Herstellen von Butter, Quark, Koch- und Handkäse, das Haltbarmachen von Fleisch, Wurst und Schinken, das Backen von Brot und Kuchen und vor allem das Herstellen der Stoffe für die Kleidung aus Flachs und Wolle erforderten sehr viel Mühe und Fleiß.
Wenn ich den Erzählungen unseres Vaters und denen der Nachbarn und Freunde glauben darf, war unsere Großmutter ganz besonders tüchtig. So haben alle ihre Kinder, auch die Jungen, eine reiche Aussteuer an selbst hergestelltem Leinen mitbekommen. Unsere Großmutter legte ganz besonderen Wert darauf, daß sie selbst, ihr Mann, vor allem aber ihre Kinder immer sauber und ordentlich gekleidet waren.

Natürlich wurde alles aus selbst hergestellten Stoffen gefertigt. Zum Nähen kam im Winter für einige Zeit eine Lohnschneiderin ins Haus.

Unser Vater erzählte, daß die Mutter, die Hausmädchen und die älteren Töchter am Samstagnachmittag, wenn die große Küche geschrubbt war, den Flickekorb herbeigeholt und unermüdlich Wäsche, Kleidung und Strümpfe geflickt und gestopft hätten. Dabei wurden die alten Volkslieder gesungen. - Opa Söhne und alle seine Kinder waren sehr gute Sänger. -
Der Großvater hat in der Zeit im Pferdestall die Schuhe und Stiefel der ganzen Familie geflickt und geputzt.
Eine andere Aufgabe des Großvaters war es, den Webstuhl aufzubäumen. Er und seine Schwester Friederike (die Karl Weinreich in Nieder-Werbe geheiratet hatte), waren bei dieser Geduldsarbeit ein gut eingespieltes Team. So richteten sie in der Zeit nach Weihnachten nicht nur bei sich selbst die Webstühle ein, die bis in die Osterzeit in den Stuben standen und fast pausenlos klapperten, sondern die beiden übernahmen auch bei Nachbarn und Freunden diese Arbeit.

Der Webstuhl unserer Großmutter steht jetzt in der Nieder-Werber Dorfstube.

Unsere Großmutter hat besonders gut und gleichmäßig spinnen können. Eines der beliebtesten Geschenke, die sie bei Besuchen oder anderen Anlässen machte, war eine Spule mit handgesponnenem Leinenzwirn. Der mußte ganz besonders gleichmäßig und ohne Knötchen sein. Auch die Spulen waren kleine Kunstwerke, der Großvater schnitzte sie aus Buchenholz. Leider ist keines dieser Geschenke erhalten geblieben."