Friedrich Söhne * 1890
Rückblick
von Reinhard Söhne
Mit der Hochzeit unserer Eltern (Friedrich Söhne, 6.8.1890 und Emma Hufeisen, 29.12.1891, Sachsenhausen) am 4.7.1911 in Sachsenhausen, begann eine neue, glückliche Zeit der Waldecker Söhnen. Wenn auch unser Vater den 1. Weltkrieg vom Anfang bis zum Ende in Frankreich mitmachte, so wurden doch die ältesten Geschwister von uns in dieser Zeit geboren. Unsere Mutter hatte damals eine große Stütze an ihrem Schwager Karl, der wegen einer leichten körperlichen Behinderung kein Soldat war.
Für unseren Vater und seine Geschwister Trinchen und Karl war jedenfalls die schwere Zeit mit der Stiefmutter (Christiane Münch, + ~ 1941) vorbei, die kein gutes Verhältnis zu ihren Stiefkindern finden konnte. Sie arbeitete nicht für, sondern gegen die Stiefkinder. Und das alles, obwohl sie eine Nichte von Vaters (Stief-)Großmutter (Marie Münch., * 17.2.1842) war.
"Ohne die Unterstützung durch meine Großmutter hätten wir Haus und Hof verloren", sagte unser Vater über die unglückliche Zeit. Erst verstarb die Mutter (13.3.1898), dann heiratete der kranke Vater zum zweiten Mal und schließlich starb auch er (22.7.1902). Die Stiefmutter kehrte mit Tochter Rickchen in ihr Elternhaus zurück.
Nach dem 1. Weltkrieg wuchs unsere Familie weiter und es wurde für Mensch und Tier zu eng in der oberen Stadt. Die wirtschaftliche Lage erlaubte den Bau des neuen Hofes bei der Feldscheune am Eckeweg (heute Bahnhofstr. 17). Ich wurde geboren (am 28.12.27 in Sachsenhausen). Der wirtschaftliche Aufschwung in den 30er Jahren, das problemlose Heranwachsen von uns Kindern und die gute Gesundheit unserer Eltern führten bei sparsamer Haushaltsführung zu einem gewissen Wohlstand. Schließlich besaßen wir eine Kutsche (ein- und zweispännig zu fahren), einen Jagdschlitten (zur Personenbeförderung) und die erforderlichen Pferde, um die Verwandtschaft in Sachsenhausen, Freienhagen, Fürstenberg und Niederwerbe besuchen zu können. Die Pflege der verwandtschaftlichen Beziehungen stand bei unserem Vater hoch im Kurs.
Doch den größten Wert legten unsere Eltern darauf, uns Kindern ein glückliches und geborgenes Zuhause zu geben und uns auf das spätere Leben vorzubereiten. Bruder Fritz bereitete sich zielstrebig auf die Fortführung der Landwirtschaft vor, Schwester Emma unterstützte die Mutter, Bruder Adolf erlernte die Gärtnerei und Bruder Otto blieb wieder der Landwirtschaft treu. Alle Vier waren unterschiedlich lange in Fremdbetrieben tätig. Ich ging zur Oberschule nach Bad Wildungen.
Der 2. Weltkrieg brauchte uns Jungen alle als Soldaten. Fritz vom ersten bis zum letzten Tag und selbst mich noch 1 3/4 Jahre. Bruder Otto ist am 10.2.1944 in Rußland gefallen. Er war besonders groß und stark, ein guter Sportler (nach der Arbeit) und stand mit beiden Beinen fest im Leben. Schwester Emma stand den Eltern treu zur Seite und mußte alle Arbeiten mitverrichten (wir hatten noch 1 französischen Kriegsgefangenen und 1 russische Fremdarbeiterin als Hilfen).
Nach dem Krieg begann für uns Geschwister ein Neuanfang; die Zeit der Existenz- und Familiengründungen.
Schwester Emma heiratete im Mai 1948 den Bäckermeister Heinrich Orth in Züschen (Waldeck). Mittlerweile besteht die Bäckerei Orth über 300 Jahre und wird von Emma's ältestem Sohn Heinrich seit 25 Jahren weitergeführt. Der 2. Sohn, Reinhard, ist Maschinenbaumeister und wohnt auch in Züschen. Schwager Heinrich starb am 25.5.79.
Bruder Fritz heiratete im Mai 1953 die Emma Göbel aus Berndorf. Sie übernahmen den Hof unserer Eltern und bewirtschafteten ihn weiter in alt hergebrachter Weise, das heißt mit Ackerbau und Viehzucht. Sie haben 3 Söhne: Die Zwillinge Friedrich und Wilhelm und den Gerhard. Friedrich hat Elektrik gelernt und Gerhard Landmaschinenschlosser. Wilhelm, der Hoferbe, betreibt nur noch den Ackerbau und als weiteren Erwerb den Forstbetrieb. Sie wohnen alle in Waldeck.
Bruder Adolf heiratete im August 1958 die Elisabeth Pflüger aus Külte. Inzwischen Gärtnermeister geworden, baute er mit Elisabeth eine gut gehende Gärtnerei in Waldeck auf. Ihr ältester Sohn, Helmut, wurde Dipl.-Ing. und arbeitet in München. Lothar, der 2. Sohn, wurde zunächst Gärtnermeister. Doch nach einer schweren Krebsoperation mußte er den Beruf aufgeben. Er will nun auch studieren.
Die Angaben über die Familien meiner Geschwister sind etwas knapp ausgefallen. Vielleicht steuern sie selbst noch etwas bei.
Und nun zu mir. Als 15jähriger Schüler wurde ich am 1.9.43 Luftwaffenhelfer bei der Flak in Kassel. Den Großangriff auf Kassel am 22.10.43 überstand ich in unserer Geschützstellung (3,7 cm Flak) auf Henschel-Gelände.
Vom 20.9.44 bis 20.11.44 war ich beim Reichsarbeitsdienst (Munitionsfabrik Neustadt-Allendorf). Am 28.11.44 wurde ich Panzergrenadier (Infanterist) in Erfurt, ohne mich freiwillig gemeldet zu haben. Nach der Ausbildung und kurzem Einsatz in Sachsen kam ich am 15.4.45 in amerikanische Kriegsgefangenschaft.Wochenlang lagen wir im 200.000-Mann-Lager in Bingen-Dietersheim, bis ich am 19.5.45 mit 50 kg Lebendgewicht entlassen wurde.
Danach schmeckte das neuerdings 3-sprachige Gymnasium in Bad Wildungen nicht mehr recht; Praxis war angesagt. So habe ich bei Mauser in Waldeck Maschinenschlosser gelernt. Es folgten 5 Semester Studium des Maschinenbaues am Polytechnikum Friedberg/Hess., die mit dem Ingenieur-Examen abgeschlossen wurden.
Am 1.11.53 begann mein Dienst bei der Deutschen Bundesbahn als techn. Inspektor-Anwärter. Nach 3jähriger Ausbildung war ich auf verschiedenen Posten in den Ausbesserungswerken Göttingen (1 J), Lingen(Ems) (11 J) und Kassel (15 J), sowie dem Betriebswerk Münster(Westf) tätig. Schwerpunkte waren die Unterhaltung des Maschinenparks bzw. die Materialversorgung der Werke und die Unterhaltung von Diesellok. Nebenbei habe ich die Berechtigung zum Führen von Dampf-, Diesel- und E-Lok erworben und dabei u.a. 8 Monate als Dampflokführer in Lübeck und Umgebung gearbeitet. Eine unvergeßliche Sache! - Am 31.10.86 wurde ich als Techn. Bundesbahn-Amtsrat krankheitshalber vorzeitig in den Ruhestand versetzt.
Am 17.5.58 haben Helga Saake aus Korbach und ich in Waldeck geheiratet. Schon im Dezember 58 bekamen wir unsere 1. Wohnung in Lingen(Ems), wo unsere beiden Kinder geboren wurden. Anfang Januar 69 zogen wir nach Münster(Westf). Und schon am 1.3.72 erfolgte der nächste Umzug in unser Haus in Weimar (heute Ahnatal). Dort wohnen wir noch heute und haben auch keine Umzugspläne mehr. Schließlich hat unsere Tochter Ingrid, die technische Zeichnerin gelernt hat, den Straßenbau-Techniker Michael Evers in Vellmar geheiratet. Unser Sohn Burkhard, der Dipl.-Ing studiert hat und Meßmaschinen konstruiert, heiratete die MA und Gymnasial-Lehrerin Christiane Döring aus Ahnatal. Und mit den Vieren halten uns unsere 3 Enkelkinder in unserer neuen Heimat fest.