Jean-Michel Soehnée

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38 - Johann Michael Söhne (Jean-Michel Soehnée, genannt Soehnée l'aîné) und Susanna Elisabeth geb. Stahl

Sohn des Henrich Wilhelm (Nr. 19), der ihn selbst taufte.
* 31.8.1741 in Rhodt. + 13.5.1815 in Paris

Portraits

Das linke Portrait ist ein Ausschnitt eines 1797 von Dryander gemalten Bildes. Das rechte Portrait stammt aus dem Bulletin du Musée historique de Mulhouse, Bd. 82 (1974). Das Original müßte sich im Musée historique de Mulhouse befinden.


Berufsanfang und erste Jahre bei Pourtalès & Cie

Am 1. Mai 1762 wird er von dem Handelshaus "Pourtalès & Cie" in Neuchâtel (heute Schweiz) als Kommis angestellt. Dieses Haus handelte mit Indiennen, d.h. bedruckten Tüchern, die überwiegend im Elsaß und in der Schweiz hergestellt, zum Teil aber auch in London von der Compagnie des Indes gekauft wurden. Im ersten Jahr erhält er 60 Florint + Kost und Logis. Dieses Gehalt sollte bis zum 5. Jahr auf 200 Florint steigen.

Heirat mit Susanna Elisabeth Stahl

Am 30.10.1764 heiratet er in Landau die Tochter des dortigen Rotgerbermeisters Philipp Stahl und der Catharina Sybilla geb. Eichborn, Susanna Elisabeth Stahl (* 2.6.1742 in Landau). Im gleichen Jahr erhält er einen neuen Vertrag von Pourtalès, der ihm ein Jahresgehalt von 1.200 Livres + Kost und Logis sichert.


Gesellschafter bei Pourtalès & Cie

Am 1.1.1768 wird er Gesellschafter des Handelshauses (allerdings nur mit einer halben Aktie von insgesamt 36 Aktien Stammkapital). Ab dieser Zeit nennt er sich Johann Michael Söehnée. Dies zeigt seine Unterschrift unter den Geburtseintragungen seiner Kinder in den Landauer Kirchenbüchern. (Vgl Datei kindermichael.doc).
Am 29.3.1770 wird er Procureur général (= Handlungsbevollmächtigter) dieses Hauses.
Am 16.4.1776 wird er Bürger von Neuchâtel, obwohl er dort nicht wirklich wohnte: seine Kinder wurden Landau geboren und 1780, als er das "Schlössel" in Rhodt bauen ließ, hielt er sich dort 2 bis 3 Monate im Jahr auf.

Das Schlössel in Rhodt

Verkaufsanzeige Schlössel.jpg


Das Schlössel in Rhodt ist möglicherweise 1803 verkauft worden. Dafür spricht ein Inserat im Landauer Frage- und Anzeigeblatt im 11. Jahr der Republik, S. 168. Danach war im Messidor 11 (ca. Juli 1803) der Bürger Söhne, Handelsmann zu Paris, gesonnen, sein ihm zugehöriges zu Rhodt liegendes Haus samt Garten, Orangerie, Celier, Remise und allen dazugehörigen Gerätschaften wie auch zwei Morgen Wiesen, drei Viertel Wingert und 150 Fuder mit Eisen gebunden Fässer zu verkaufen


Das "Böckingsche Haus" in Landau


Um 1790 baute er in Landau ein Patrizierhaus in Landau, das man heute das Böckingsche Haus nennt und das zu den bedeutensten bürgerlichen Bauwerken der Pfalz zählt.

Gründung von "Soehnée l'aîné & Cie"

Handel und Herstellung von "Indiennes" (engl. printed Paisley)
Indienne.jpg

Das Handelshaus Pourtalès wird am 31.12.1795 aus nicht bekannten Gründen aufgelöst.

Daraufhin gründete Michel am 12. Nivôse des Jahrs V der frz. Republik (1.1.1797) die Firma "Soehnée l'aîné & Cie".

Teilhaber sind er selbst, sein Bruder Jakob Friedrich, sein Neffe Jean Wolff, der Tuchfabrikant André Hartmann aus Munster, und sein Schwiegersohn Jacques Frédéric Bartholdi. 1807 kommt der Schwiegersohn Jean Guillaume Muller als weiterer Gesellschafter hinzu.

Die Firma hat ihren Sitz in Paris, aber auch ein Magazin in Colmar. (Michels Anschriften im Jahr XI der frz. Republik (= 1802/03) lauten Rue de la Loi Nr. 86 und 151, Paris. Eines der beiden Häuser war Sitz der "Soehnée & Cie". Die Rue de la Loi wurde später in Rue de Richelieu umbenannt).

Zweck der Firma ist der Handel mit Indiennen, sowie der Betrieb der Manufaktur für gefärbtes Tuch in Munster.


La manufacture d'indiennes de Munster



Gründung der Bank

Der Einstieg in das Bankgeschäft erfolgt 1801. In diesem Zusammenhang war Michel Soehnée auch als "Censeur" der "Banque de France" vom 16.2.1800 bis 28.12.1808 (Rücktritt wegen seiner Gebrechen) tätig.

1808 belief sich das laufende Konto der Firma auf 687.716 F und das Stammkapital auf 440.123 F.
1809 soll die Firma über eine große Zahl von Manufakturen und diversen Einrichtungen verfügen, in denen über 1.500 Arbeiter tätig sind. Die Betriebe sollen über Hunderte von Meilen verstreut gewesen sein.


Tod

Seine Frau starb am 30.5.1809 in Paris. Er selbst mußte im Alter mit schmerzhaften Schwächen kämpfen, die ihn ans Zimmer fesselten (siehe Datei minichronik.pdf). Er starb am 13.5.1815 in seinem Haus (Hôtel Soehnée) in der Rue de Richelieu Nr. 106 und hinterließ ein Vermögen von 1.414.875 F.
Er wurde in Paris auf dem Friedhof Père Lachaise bestattet (in der Nähe von La Fontaine und Molière).


Verschiedenes

Kirchliches Engagement

Abschließend sei noch erwähnt, daß Johann Michael ein überzeugter Lutheraner war, der am 21.11.1806 Mitglied des Konsistoriums der lutherischen Kirche in Paris (Consistoire de la Seine de la Confession d'Augsbourg) wurde. Er blieb Mitglied bis zu seinem Tod. In seiner von Boissard gehaltenen Leichenpredigt, die ich leider noch nicht gesehen habe (Discours prononcé au Temple des chrétiens de la Confession d'Augsbourg rue des Billettes, aux funérailles de M. J.M. Soehnée le 18 mai 1815; Auszüge dieser Rede in J. Pannier-Schloesing, Jean Michel Soehnée, erschienen in L'Alsace française, 22 septembre 1929, Seite 823 - 825), wird Johann Michael als vielfältiger Wohltäter bezeichnet, der sich unter anderem um die Gründung einer ersten lutherischen Schule gekümmert hat.


Das Hôtel Soehnée

Das Hôtel Soehnée wurde 1839 von Johann Michaels Schwiegertochter verkauft und 1840 abgerissen.
Die Firma Soehnée l'aîné & Cie bestand bis 1821.


Quellen


Alfred Hans Kuby, Ergänzungen zum Pfälzischen Pfarrerbuch

Romuald Szramkiewicz, Les régents et censeurs de la Banque de France ..., Genève 1974

André Brandt: Jacques-Louis de Pourtalès, ses associés ..., in Bulletin du Musée historique de Mulhouse, Bd. 82 (1974)

Almanach National de France An XI de la République, S. 195 u. 667)